Das Landjugendhaus im mittelfränkischen Kucha hat eine bewegte Geschichte – im wahrsten Sinne des Wortes. Vor über dreißig Jahren musste es an seinem alten Standort weichen und zog auf einem Tieflader einmal quer durch’s Dorf. In den letzten Jahren war es ruhig im Haisl. Für die Dorfjugend war es nicht mehr attraktiv, Corona tat sein übriges. Nun gründete sich im benachbarten Hauptort Offenhausen eine Ortsgruppe der Evangelischen Landjugend, um dem alten Haus neues Leben einzuhauchen.
Mehr als eine Clique
Neun Jungs krempelten die Ärmel hoch, um das Projekt „Renovierung Landjugendhaus“ anzugehen. Bürgermeister Martin Pirner sorgte für den Kontakt zur Evangelischen Landjugend (ELJ). Er wusste, dass die Jugendlichen mit dem Jugendverband einen starken Partner an ihrer Seite haben. Die ELJ schafft den Rahmen, in dem junge Menschen sich langfristig engagieren. In ihrer Struktur ist die ELJ-Gruppe ein Verein. Wer Verantwortung übernimmt, ist als Vorstand allen Mitgliedern gegenüber verpflichtet.

Die Satzung regelt Aufgaben und Mitbestimmung. Im Gegensatz zu einer Clique, die meist aus einem festen Freundeskreis besteht, lädt die ELJ-Gruppe auch andere Jugendliche zum Mitmachen ein. Entscheidungen werden demokratisch getroffen, Ämter und Aufgaben gewählt und auf Zeit vergeben. So entsteht eine Jugendkultur die über persönliche Freundschaften hinaus Bestand haben kann.
Unterstützung vom Verband
180 ELJ-Gruppen gibt es in Bayern. Wo vor Ort der Schuh drückt, wissen die Jugendlichen meist selbst am besten. Mit Akkuschrauber, Bohrhammer, Brecheisen, Schleifmaschine, Pinsel und Farbroller können sie umgehen. Der Verband unterstützt im Umgang mit Strukturen und der Vernetzung. „Wie könnt Ihr vorgehen, um wirklich weitere Mitglieder zu finden?“, „Welche Fördermöglichkeiten bringen Geld in die Kasse?“, „Was könnt Ihr tun, um Anerkennung im Dorf zu bekommen?“, sind die Themen zu denen die hauptberuflich Mitarbeitenden der ELJ geG in die Sitzungen der Jugendlichen kommen.
Das Haisl hat schon einmal eine Reise durch das Dorf hinter sich gebracht. Heute beginnt dort eine andere Bewegung. Franz, Georg, Max, Tim, Elias, Dominik, Sebastian, Tom und Lennard haben die Türen eines Hauses geöffnet, das für ihre Generation längst keine Selbstverständlichkeit mehr war. Mit der Gründung der ELJ Offenhausen verbinden sie die Sanierung eines Gebäudes mit der Idee von Gemeinschaft und Verantwortung. Für diesen Weg sprach Pfarrer Dr. Christian Kamleitner der Gruppe bei der Gründung Gottes Segen zu. Wie das Haus in einigen Jahren aussehen wird, ist noch offen. Dass wieder Leben eingezogen ist, dagegen nicht.
„Grundlagen unserer ELJ“ – Wie funktioniert der Verband?
„Echt?! Bis ins letzte Dorf?“ – Über die Arbeit der hauptberuflichen Jugendreferent:innen