Fort- und Weiterbildung für Jugendliche zum Thema Katastrophenschutz

Katastrophenschutz: Gemeinschaft wichtiger als Dosenwurst

Wie wir lernen, auf was es in Krisensituationen ankommt


Stell dir vor: Januar. Klirrend kalt. Und dann bumm – alles schwarz.
Keine Heizung, kein Wasser, kein Netz. Eine Region komplett lahmgelegt.

Mit diesem Szenario schickte Yann Hédiard von den Johannitern die Teilnehmenden zu Beginn der Fortbildung für Ehrenamtliche in der Jugendarbeit „Teamwork im Ausnahmezustand“ im Rahmen der 128. ELJ-Landesversammlung direkt in ein realistisches Planspiel:

Was brauchst du, um zehn Tage klarzukommen – und eine Evakuierung zu packen?

Erst allein, dann in Gruppen wurden 18 Gegenstände sortiert: von Kurbelradio über Wasserfilter bis Tiefkühlpizza. Dabei wurde schnell klar: Der Ernstfall kennt keine Pauschallösungen. Wenn jemand Medikamente braucht, können die wichtiger sein als jeder noch so große Wasservorrat.

Yann erklärte anschließend, wie Katastrophenschutz eigentlich aufgebaut ist – und dann wurde’s plötzlich real: Im EBZ Pappenheim ging das Licht aus. Inszeniert, aber ziemlich überzeugend.

Gerettet hat ein selbstgebautes Fahrrad eines ELJ-Mitglieds. Wer trat, produzierte Strom – und so gab’s Licht und Musik für den Abend. Teamwork hat selten so viel Spaß gemacht.

Geschäftlicher Teil der Landesversammlung heißt: Hier entscheidet die ELJ

Demokratische Mitbestimmung ist das Herzstück der ELJ

Samstagvormittag ging es um das Herzstück des Jugendverbands: Demokratie live erleben.
Die Landesversammlung ist das höchste beschlussfassendes Gremium der ELJ – also der Ort, an dem die Delegierten entscheiden, wie die ELJ arbeitet.

Neue Mustersatzungen, Beiträge, Berichte, Diskussionen.

Stellv. Landesvorsitzender Stefan Schmidt (ELJ Gnötzheim, KV Uffenheim) brachte es auf den Punkt:

„In der ELJ erleben wir Demokratie ganz konkret. Wenn Kreis- und Bezirksverbände Anträge an die Landesversammlung stellen, ist das gelebte Basisdemokratie im Jugendverband. Wir diskutieren gemeinsam, ringen um Formulierungen und finden Entscheidungen im Team. Natürlich kann das anstrengend sein – aber am Ende überwiegt jedes Mal die Begeisterung darüber, was wir zusammen gestalten.“

Teilnehmende zur Weiterbildung zum Thema Katastrophenschutz im Rahmen der 128. ELJ-Landesversammlung

Genau dafür ist die Landesversammlung da: für Mitsprache, Verantwortung und echtes Mitgestalten.

Praxis pur für alle: Feuerlöscher, Wassereimer und Sandsäcke

Nach dem geschäftlichen Teil wurde es am Samstagnachmittag für die Teilnehmenden der Fortbildung handfest:
Die Freiwillige Feuerwehr Pappenheim ließ ein Löschhaus löschen, Wassereimer die Altmühl hochschleppen und Feuerlöscher testen.

Jugendliche lernen Löschtechniken, schleppen Wassereimer und erleben Katastrophenschutz hautnah


Das THW Treuchtlingen zeigte, wie Sandsäcke fachgerecht befüllt und gestapelt werden – überraschend tricky, aber absolut einsatzrelevant.

THW Treuchtlingen erklärt interessierten Jugendlichen was beim Sandsäcke schlichten entscheidend ist.

Beisitzer für den Bezirksverband Mittelfranken im Landesvorstand Paul Opisch (ELJ Langenaltheim, KV Weißenburg) sagte dazu:

„Ich habe die Tage verstanden, wie wichtig gute Kommunikation in Krisen ist und wie viel schon kleine Handgriffe bewirken können.“

Und genau das ist der Kern der Aus- und Weiterbildungswochenenden: Wir geben Fähigkeiten und Erfahrungen an die Hand, die Jugendlichen in der Jugendarbeit vor Ort wirklich weiterbringen.


Funktour, Feuer und Glaube – Gemeinschaft, die trägt

Der Abend brachte die Jugendlichen auf Funkfrequenz: Zwei Teams, eine Strecke, klare Kommunikation – sonst läuft nix.
Danach: Lagerfeuergottesdienst, Stockbrot und dieses besondere Gefühl in der Jugendarbeit von Gemeinschaft.

Michael Dendorfer wurde mit den Engelsflügeln der EJB ausgezeichnet für sein herausragendes Engagement in der ELJ seit 2014 im Landesvorstand

Im Gottesdienst wurde Michael Dendorfer aus dem Landesvorstand verabschiedet. Dem Oberpfälzer, der seit 2014 im ELJ-Landesvorstand war, wurden die „Engelsflügel“ der Evangelischen Jugend in Bayern verliehen.

DANKE MICHI für so viel wertvolles Engagement!

Unter der Erde: Hilfskrankenhaus Gunzenhausen

Führung im Hilfskrankenhaus Gunzenhausen

Sonntags erkundeten die Fortbildungsteilnehmer einen echten Bunker aus den 60er Jahren: ein Hilfskrankenhaus, das 600 Menschen 14 Tage lang Schutz geboten hätte. Zum Glück wurde er nie für den Ernstfall gebraucht. Dank der Führung von Wolfgang Faig wurde schnell deutlich, wie komplex und wichtig Krisenvorsorge ist.

Zum Abschluss gab’s EPA-Notrationen beim gemeinsamen Essen im Pausenhof. Beste Gelegenheit, alle Erfahrungen des Wochenendes Revue passieren zu lassen.

Auf was kommt es an?

In Krisensituationen kommt es nicht unbedingt auf einen Keller voller Lebensmittel an, entscheidender sind starke Netzwerke. Jugendverbände wie die ELJ bieten genau solche solidarischen Räume.

ELJ-Landesvorsitzende Sara Endres (ELJ Oberaltertheim, KV Würzburg) fasste zusammen:

„Bei uns lernen junge Menschen Verantwortung zu übernehmen, Krisen gemeinsam zu meistern und klare Kommunikation auch unter Druck aufrechtzuerhalten. Genau diese Fähigkeiten sind im Katastrophenschutz oft lebensentscheidend. In der Jugendarbeit stärken wir nicht nur Gemeinschaft, sondern machen unsere Dörfer und Regionen widerstandsfähiger. Mit den neu gelernten Methoden lässt sich nun in den Regionen gut weiterarbeiten.“


Und Franziska Höglmeier (ELJ Osterdorf, KV Weißenburg) ergänzte:

„Die Tage haben mir gezeigt, wie wichtig Durchhaltevermögen ist – etwas, das wir in der ELJ zum Beispiel bei langen Antragsdiskussionen ständig trainieren.“

Fazit: Ein Wochenende, das bleibt

Wir haben an dem Wochenende gelernt:

  • wie wir als Team in Krisen funktionieren
  • wie Kommunikation Leben retten kann
  • dass eine starke Gemeinschaft im Dorf, Verein, in der Jugendgruppe im Ernstfall sehr wichtig ist
  • dass Jugendarbeit uns wirklich auf das Leben vorbereitet

Und das alles im Gepäck nehmen wir mit in unsere Regionen.

Weitere Infos zum Thema Katastrophenschutz findet ihr unter der Seite des BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe)

Letzten Endes hofft niemand auf den Ernstfall – aber jetzt sind die Teilnehmenden fit, um das Gelernte ihren Jugendgruppen methodengerecht weiterzugeben und mit den jungen Menschen vor Ort das Thema zu bearbeiten.

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