Zwölf Jahre sind in der ELJ eine lange Zeit. Genug Zeit, um Generationen von Ehrenamtlichen kommen und gehen zu sehen. Genug Zeit, um Krisen zu erleben, Veränderungen zu gestalten und gemeinsam neue Wege zu gehen. Für Benedikt Herzog endete zum 31. Juli 2026 die Zeit als Landjugendpfarrer der Evangelischen Landjugend in Bayern. Was bleibt, sind unzählige Begegnungen, Impulse und Geschichten. Und die Erinnerung an einen Menschen, der die ELJ geprägt hat, vor allem wegen seinen starken Willen zur Veränderung und Weiterentwicklung der ELJ.



Als Ben 2014 zur ELJ kam, faszinierte ihn von Anfang an der Kern von Landjugendarbeit:
Junge Menschen organisieren selbstverantwortlich das, was ihnen wichtig ist.
Nicht Hauptamtliche bestimmen die Richtung, sondern Ehrenamtliche gestalten ihre Gemeinschaft selbst. Die Aufgabe der Hauptamtlichen verstand Ben deshalb immer als eine besondere Form von Begleitung. Unterstützen statt bestimmen. Ermöglichen statt kritisieren. Vertrauen statt Kontrolle.
Wer mit ihm zusammengearbeitet hat, hat diese Haltung bei Ben gespürt. In Gesprächen, in Sitzungen, auf Landesversammlungen, bei Bildungsveranstaltungen und in Begegnungen am Rand von Veranstaltungen. Benedikt stellte die richtigen Fragen, dachte weiter und machte Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Dabei spielte seine eigene Herkunft eine wichtige Rolle. Das Dorf war für ihn nie romantische Kulisse, sondern eigener Lebensraum. Er kennt die Chancen und Herausforderungen des ländlichen Raums aus seiner eigenen Jugend. Gerade deshalb lag ihm die Landjugend besonders am Herzen. Jugendliche sollten nicht nur mitreden dürfen, sondern als eigenständige Akteurinnen und Akteure ernst genommen werden. Dafür hat er sich in all den Jahren eingesetzt.

Wer auf seine Zeit bei der ELJ zurückblickt, kommt an einem Wort nicht vorbei: Wachstum.
Wachstum bedeutete für Ben jedoch nie bloß größere Zahlen oder mehr Mitglieder. Wachstum geschieht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen. Wo sie über sich hinauswachsen. Wo Demokratie nicht nur erklärt, sondern gelebt wird. Wo junge Menschen lernen, Entscheidungen zu treffen, Konflikte auszuhalten und gemeinsam etwas zu bewegen.
Diese Sichtweise prägte seinen Blick auf die Entwicklung der ELJ. Er beschrieb den Verband oft als Organismus: lebendig, vielfältig und ständig in Bewegung. Nicht alles bleibt gleich. Nicht alles funktioniert immer sofort. Aber Entwicklung und Veränderung gehört zum Leben dazu.
In seine zwölf Jahre fielen tiefgreifende Veränderungen. Die Corona-Pandemie stellte die Jugendarbeit vor völlig neue Herausforderungen. Strukturen veränderten sich. Förderbedingungen wandelten sich. Mit der Selbstständigkeit der ELJ und der Gründung der Genossenschaft wurden Entscheidungen getroffen, die den Verband bis heute prägen. Hierbei übernahm Ben durch seine neue Rolle als geschäftsführender Vorstand der ELJ geG gemeinsam mit Manfred Walter viel Verantwortung und stellte die Weichen für ein neues großes Kapitel der ELJ-Geschichte.

Ben begleitete diese Prozesse stets mit Weitblick. Für ihn war klar:
Wer lebendig bleiben will, muss bereit sein, sich zu verändern.
Dabei ging es nie um Veränderung um ihrer selbst willen. Es ging darum, das Wesentliche zu bewahren und gleichzeitig offen für Neues zu bleiben.
Vielleicht erklärt das auch, warum ihn ein Satz besonders geprägt hat:
Ecclesia semper reformanda – die Kirche muss sich immer wieder erneuern.
Dieses reformatorische Grundverständnis zog sich durch seine Arbeit. Kirche war für ihn kein starres System. Sie ist lebendig, wenn Menschen sie gemeinsam gestalten. Und die ELJ war für ihn ein Ort, an dem genau das sichtbar wird.
Besonders deutlich zeigte sich das im geistlichen Leben der ELJ. Als Ben bei der ELJ begann, entstanden durch eine Initiative schnell neue spirituelle Formen im Jugendverband:
Der Oasen-Gottesdienst in der Turnhalle des EBZ Pappenheim während der ökumenischen Landesversammlung, ein Nachtgottesdienst im Hochseilgarten oder der T4- Gottesdienst mit den VW-Bussen vor dem Jugendgästehaus und Lagerfeuer. Kreative Andachtsformate, Abendmahlsexperimente, Segensfeiern, der „Bet-Man“ an der Orange Night 2017, Onlineangebote wie die Late Night Church oder Vernetz nochmal während Corona und unzählige legendäre Coffee to go-Andachten während den Landesversammlungen. Ideen den Glauben in der ELJ zeitgemäß zu leben gingen durch Ben nie aus.

Wichtiger als einzelne Formate war für Ben jedoch etwas anderes:
Junge Menschen zu ermutigen selbst Verantwortung zu übernehmen.
Wenn Ben auf die ELJ blickte, sah er deshalb nicht zuerst Herausforderungen, sondern enormes Potenzial. Er schätzte die Ortsgruppen, die Gemeinschaft gestalten. Kreisverbände, die Verantwortung übernehmen. Junge Menschen, die ihre Dörfer und Regionen mitprägen. Und einen Jugendverband, der gelernt hat, Tradition und Innovation miteinander zu verbinden.
Eine besondere Stärke von Ben war sein Blick nach vorn. Mit Kreativität und Offenheit ging er neue Wege, wagte Experimente und suchte immer wieder nach Formen, Glauben und Spiritualität so zu gestalten, dass sie an die Lebenswelt junger Menschen anknüpfen. Seine Verantwortung für die ELJ nahm er dabei mit großem Engagement und hoher Verbindlichkeit wahr. Auch in herausfordernden Situationen richtete er den Blick auf Möglichkeiten statt auf Grenzen. Mit seiner zuversichtlichen Art ermutigte er viele Menschen im Verband, Veränderungen anzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und mutig neue Schritte zu gehen.


Die ELJ verabschiedet sich von ihrem Landjugendpfarrer und geschäftsführenden Vorstand mit großer Dankbarkeit:
- Für seine zeitgemäßen und anregenden theologischen Impulse.
- Für seinen großen Mut, Neues auszuprobieren, immer in dem Wissen, dass auch Scheitern im Leben dazugehört.
- Für sein großes Vertrauen in junge Menschen.
- Für die Überzeugung, dass Gemeinschaft dort wächst, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen.
- Für seine gewissenhafte Verantwortung als Landjugendpfarrer und geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft.
- Für seine großen Visionen und Träume für einen Jugendverband, der es verdient so groß gedacht zu werden.
Lieber Ben, danke für zwölf intensive ELJ-Jahre. Danke für deinen neugieren Blick auf die ELJ, für deinen Glauben, den du an viele junge Menschen und für deine vielen Spuren, die du hinterlässt. Danke für all die Gespräche, gemeinsame Entscheidungen, Erfolge, Konflikte, Experimente, Gottesdienste, Landesversammlungen und Begegnungen.
Vor allem aber danke für dich als Mensch.

Wir wünschen dir für deinen weiteren Weg Gottes reichen Segen.
DEIN ELJ-TEAM