Weil Beziehungen das Entscheidende sind, ist aufsuchende Jugendarbeit das Herzstück professioneller Landjugendarbeit der ELJ.
Im Landjugendraum bullert der Holzofen. Sieben Jugendliche lümmeln auf Sofas, denen der Raum ein zweites Leben geschenkt hat. Der Arbeitsplatz von Birgit Bruckner entspricht an diesem Donnerstagabend keinen ergonomischen Standards. Die Sozialpädagogin sitzt auf einem ausrangierten Wirtshausstuhl am Rand.
„Was sollen wir jetzt machen?“ Ein Konflikt mit den Anwohnern beschäftigt die Runde. Es geht laut zu, durcheinander, konkret. Birgit Bruckner moderiert, fragt nach, spiegelt zurück. Erste Schritte werden abgesprochen, wer spricht mit dem Bürgermeister, wer mit den Nachbarn?
Szenen wie diese sind Alltag für die Jugendbildungsreferentinnen und -referenten der Evangelischen Landjugend. Aufsuchende Jugendarbeit bedeutet: hingehen, da sein, Beziehungen aufbauen – und genau dort Teilhabe ermöglichen, wo Jugendliche leben. Anders als ihre Kolleginnen und Kollegen in Bildungszentren oder auf Jugendfreizeiten, laden sie Jugendliche nicht ein, sondern gehen hin.
Das wird umso wichtiger, je stärker sich die Strukturen im ländlichen Raum verändern. Mit der Zusammenlegung von Kirchengemeinden zu Regionalverbünden verschwinden vertraute Bezugspersonen vor Ort. Pfarrstellen werden verlagert, Wege länger, Zuständigkeiten diffuser. Für die Landjugend ist das mehr als eine organisatorische Veränderung. Ihr Bezugsraum ist das Dorf, nicht die Region. Wenn Begleitung vor Ort wegbricht, geht Beziehung verloren – und damit die Grundlage für echte Beteiligung.
Sozialpädagogin Birgit Bruckner geht es nicht nur darum, den Anwohnerkonflikt zu lösen. Hinter der Arbeit steht immer auch ein pädagogisches Ziel: „Eigenverantwortung und Gemeinschaftsfähigkeit“ nennt es die ELJ-Satzung. Junge Menschen entwickeln Ideen, treffen Entscheidungen, lernen, den nächsten Schritt zu gehen. So entsteht Verantwortung.
Im Landjugendraum ist die Diskussion ist noch nicht zu Ende. Vorschläge liegen auf dem Tisch, Zuständigkeiten werden verteilt. Am Ende steht kein fertiger Beschluss – sondern etwas Wichtigeres: Die Jugendlichen wissen, dass sie es selbst klären können.